Teil 1 – Selbstgebauter Homeserver/NAS: Die Hardwareauswahl

Dieser Artikel ist Teil der Reihe Selbstgebauter Homeserver/NAS mit Ubuntu Server


Die Hardwareauswahl gestaltete sich alles andere als einfach, denn die Auswahl ist einfach riesig und im Gegensatz zu einem Gaming PC, wo nur Leistung und Geldbeutel entscheidend sind, muss man bei einem Homeserver/NAS überall Kompromisse eingehen. So ist untenstehende Auswahl ein Kompromiss zwischen Stromverbrauch, Leistung, Lautstärke und Geldbeutel. Ich bin mit der Auswahl sehr zufrieden, so ist der Stromverbrauch moderat, die Leistung jedoch deutlich höher als die der gängigen fertig NAS Systeme. Wenn die Prioritäten jedoch anders sind als bei mir, z.B. weil Geld oder Lautstärke keine Rolle spielen, so kann natürlich auch die Hardware angepasst werden.

Die Hardwareauswahl

Mainboard und CPU: ASRock Q1900-ITX inkl. Intel® Celeron J1900. Das Board ist klein, passiv gekühlt die maximale Stromaufnahme liegt bei 10 Watt und die Celeron CPU bietet genug Leistung. Die Rechenleistung ist deutlich höher als die günstiger NAS geräte mit Atom oder ARM Prozessor. Die Rechenleistung ist sogar höher als die meiner bisherigen Athlon 4200+ CPU, die mit Mainboard und unter Last schon nach 70Watt verlangt hat.


Außerdem bietet das Board 4 SATA Steckplätze, was für kleine stromsparende Boards eher unüblich ist. Das nachrüsten eines PCIex Sata Controllers würde wieder extra Strom verbrauchen. Zwar handelt es sich nur bei zwei der vier SATA Ports um SATA 3 (6Gbit/s) Anschlüsse (bei den anderen beiden handelt es sich um SATA2 Anschlüsse mit 3Gbit/s), dies spielt für meine Anforderungen aber keine Rolle.

Arbeitsspeicher: Mushkin SO-DIMM 4 GB DDR3-1333. Das Board bietet Platz für zwei Riegel. Somit können problemlos auch 8GB Ram untergebracht werden.

Speichermedien: 2x64GB Sandisk SSD im Raid 1 Verbund für das System und 2x 4TB Western Digital Red im Raid 1 Verbund für die Daten. Ich wollte eine Trennung von System und Datenpool haben, deshalb diese Konfiguration. Zwingend nötig ist das natürlich nicht.

Netzteil: hier habe ich ein vorhandenes BeQuiet! Netzteil mit 80+ Zertifizierung genutzt. Aufgrund des geringen Stromverbrauchs ist hier jedes Netzteil geeignet. Von der Effizienz ist sicherlich ein Produkt wie das PicoPSU noch besser geeignet. Da ich jedoch vier Laufwerke anschließen möchte halte ich ein richtiges ATX Netzteil in diesem Fall für geeigneter.

Gehäuse: Sharkoon CA-M black mATX. Gerade beim Gehäuse spielen natürlich die persönlichen Vorlieben eine große Rolle. Ich habe mich für dieses Gehäuse entschieden weil es kompakt ist und für meinen Geschmack hübsch aussieht. Da das Gehäuse eigentlich nur Platz für zwei 3,5″ Laufwerke bietet habe ich die beiden SSDs einfach an die Gehäusewand geklebt.

Lüftersteuerung: Der 12cm Lüfter der mit dem Gehäuse geliefert wird war mir deutlich zu laut. Aufgrund des wenigen Platzes der im Gehäuse zur Verfügung steht kann jedoch nicht jeder 12cm Lüfter eingebaut werden. Der Lüfter muss relativ flach sein, da er sonst zwischen Netzteil und Gehäusedeckel nicht genug Platz findet. Da die hohe Drehzahl des Lüfters nicht notwendig ist habe ich einfach eines dieser Potentiometer gekauft, mit welchen man die Drehzahl des Lüfters fest einstellen kann.

Die Hardwarekosten

Mainboard mit CPU: 83€
RAM: 21 €
2x SSD: 2×40€
2x Festplatten: 2×165€
Netzteil: ca. 45€
Gehäuse: 45€
Lüftersteuerung: 10€
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Gesamt: 614€

Dies scheint erstmal relativ viel Geld zu sein. Man muss jedoch beachten dass alleine die beiden Festplatten mit 330€ zu Buche schlagen und diese müssen bei NAS Systemen üblicherweise ebenfalls noch extra gekauft werden. Das reine System ohne Datenspeicherpool kostet somit noch 284€. Ein Preis den die leistungsfähigen NAS Systeme ebenfalls schnell erreichen oder sogar übertreffen.

Der Stromverbrauch und die Stromkosten

Der Stromverbrauch, bzw. die Leistungsaufnahme sieht folgendermaßen aus:

unter Last: 30 Watt
im Leerlauf mit drehenden Platten: 26 Watt
im Leerlauf mit stehenden Platten: 19Watt

Ich habe mich entschieden die Platten bei Nichtbenutzung nicht schlafen zu legen. Bei meiner Nutzung finden zu regelmäßig Plattenzugriffe vor allem durch das Filesyncing statt. Allzu lange könnten die Platten somit eh nicht schlafen. Zusätzlich steigt die Leistungsaufnahme kurzzeitig auf ca. 45 Watt an wenn beide Festplatten gleichzeitig hochdrehen. Somit kann auf diese Weise mit diesem System nicht nennenswert Strom gespart werden.

Der Zustand in dem sich der Server also die meiste Zeit befindet ist Leerlauf mit drehenden Platten und einer Leistungsaufnahme von 26 Watt. Bei einem Strompreis von 0,26€ pro KW/h betragen die Stromkosten für den Homeserver ca. 4,90€ pro Monat oder ca. 59€ pro Jahr.

Würden die Platten immer stillstehen (was selbstverständlich unrealistisch ist), der Stromaufnahme würde also immer 19 Watt betragen, so würden sich die Kosten pro Jahr nur um 16€ verringern.

Bilder

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Nächster Teil der Artikelreihe:
Teil 2 – Selbstgebauter Homeserver/NAS: Die Systeminstallation

 



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8 Kommentare

  • jayXrey

    Braucht man eine Wlankarte wenn man keinen Lan-Anschluss hat?

    • Niko

      Das Mainboard selbst hat keinen integrierten WLAN Adapter. Wer den Homeserver unbedingt per WLAN anbinden möchte, muss sich zusätzlich noch eine Wlankarte kaufen.

  • Sven

    Moin,

    Danke für deinen Artikel. Ich beschäftige mich gerade mit d m Thema, da mein QNAP immer schwächer wird.

    Ist Dein Hardware Auswahl noch zu verwenden? Oder kannst du aus heutiger Sicht andere Hardware empfehlen?

    Vielen Dank im Voraus.
    Sven

    • Niko

      Hallo Sven,
      ich denke die Hardware ist immer noch eine gute Wahl.
      Gruß
      Niko

      • Sven

        Welches Mainboard kannst du empfehlen? Das von dir genannte ist nicht mehr so einfach zu bekommen bzw. bei Amazon gibt es das nicht mehr.

        Welches würdest du aus heutiger Sicht empfehlen?

      • Niko

        Habe gerade bei Amazon und Alternate nach „ASRock Q1900-ITX“ gesucht. Ist bei beiden auf Lager und bei Amazon direkt per Prime-Versand bestellbar.

        Ansonsten kannst du dir auch mal den Bauvorschlag für einen sparsamen Heimserver von der c’t aus April 2016 anschauen. https://www.heise.de/ct/artikel/Heim-Server-im-Selbstbau-3133253.html
        Ist etwas aktueller. Ich würde nur von dem verwendeten PicoPSU-Netzteil abraten, sofern du mehrere Festplatten einbauen willst. Das ist zwar sehr energiesparsam, jedoch auch sehr schwach.

  • sven

    Hi, kannst Du mir sagen wie heiß die Festplatten in dem Gehäuse werden?
    Habe vor mir ein ähnliches Nas aufzubauen mit dem selben Gehäuse, habe jedoch Bedenken wegen der Wärme.
    Danke im Voraus

    • Niko

      Homeserver HDD Temp

      sda und sdb sind die Festplatten. Die WD Red sind für einen Temperaturbereich von 0-65°C spezifiziert. Also alles im grünen Bereich.
      sdc ist eine USB Festplatte und sdd und sde die beiden SSDs

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